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Siebtklässler gehen dienstags ins AZH

Siebtklässler schnuppern die Luft der Arbeitswelt DEWEZET vom 18.08.09


Hameln (ni). Dominik strahlt über das ganze Gesicht: "Das hier ist besser als Schule, das macht richtig Spaß." Der Siebtklässler kniet vor einer Konstruktion aus Alu-Profilen und hantiert wie ein Alter mit dem Akkuschrauber. Die Rigipsplatte, die er montieren soll, sitzt bombenfest. Nebenan feilt Marc eifrig an einem eingespannten Stück Blech, "damit die Kanten ganz glatt werden". Pia beschäftigt sich derweil mit einer technischen Zeichnung, hat zu dem kalten Metall offenbar nicht den rechten Zugang und "fand Malern besser". Pia, Marc und Dominik sind drei von über 40 Schülern der Pestalozzi-Schule, die schon in der siebten Klasse erste Erfahrungen mit der Arbeitswelt sammeln. Einen Vormittag in der Woche lernen sie nicht im Klassenzimmer, sondern schnuppern im Ausbildungszentrum Handwerk (AZH) an der Wehrberger Straße die Luft des praktischen Handwerks.

Im vergangenen Jahr hat die Pestalozzi-Schule getestet, wie die 11- bis 14-Jährigen auf einen Arbeitstag reagieren, an dem nicht die Theorie, sondern der Umgang mit Material und Werkzeug im Vordergrund steht. Das Ergebnis war laut Schulleiter Werner Heuer so positiv, dass die berufsorientierende Maßnahme jetzt ins Standardprogramm der Schule aufgenommen wird. "Die Arbeitshaltung aus der Praxis hat sich auf die Schule übertragen. Plötzlich waren die Schüler auch beim Computerunterricht viel konzentrierter bei der Sache", sagt Heuer.

Kooperationspartner bei diesem Projekt, das der Hamelner Rotary Club mit 2000 Euro unterstützt, ist das AZH. "Für unsere Meister war es anfangs schon schwierig, plötzlich mit 13- und 14-Jährigen statt mit 20- bis 50-Jährigen umgehen zu müssen", räumt AZH-Geschäftsführer Ulrich Wichmann ein. Doch von den anfänglichen Vorbehalten sei nichts mehr übriggeblieben. "Dienstages ist jetzt Kiddi-Tag – die Meister haben das gern angenommen", sagt Wichmann. Und genießen es auch ein bisschen, von den Teenies "durchweg als Autorität anerkannt zu werden".

Erfahrungen in handwerklichen Berufen sammeln, einfache Aufgaben in den Berufsfeldern Maler und Lackierer, Maurer sowie Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bewältigen – den Jungen und Mädchen tut das offensichtlich gut. Sie gewinnen Einblicke in Berufe, mit denen sie sonst vielleicht nie in Berührung gekommen wären; sie verbuchen Erfolgserlebnisse, die ihnen in der Schule vielleicht versagt bleiben; sie lernen handwerkliche Arbeit wertschätzen und fast nebenbei, dass Genauigkeit die Voraussetzung dafür ist, dass eine Arbeit gelingt. "In der Schule denken sie schon mal, es ist nicht so wichtig, ob ich etwas richtig mache", weiß Heuer. Beim praktischen Werkeln im AZH erleben sie postwendend, dass sich zwei Teile eines Werkstückes nicht zusammenfügen lassen, wenn sie schludrig hergestellt wurden. Auf die Arbeitshaltung in der Schule zeige diese Erfahrung durchaus Wirkung, ist Heuer überzeugt.
Ohne Umweg in die Ausbildung
Eine Hilfe bei der späteren Berufswahl versprechen sich die Projektbeteiligten von der frühen Begegnung der Hauptschüler mit dem Handwerk außerdem: Wer dabei entdeckt hat, dass ihm der Umgang mit Kelle, Pinsel, Schrauber und Feile Spaß macht, suche mit Ende der Schulzeit vielleicht eher den direkten Weg in eine entsprechende berufliche Ausbildung, statt weitere Jahre in Warteschleifen zu vergeuden.




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